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Information
"Machst Du mir
die τσάντα zu?" Sprachen in Kontakt
"Man kann nicht
immer konsequent sein." Zweisprachige Erziehung
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Empfehlungen für Eltern
Die folgenden Empfehlungen basieren auf Erfahrungsberichten von hundert Müttern in griechisch-deutschen Familien, deren Muttersprache jeweils eine andere als die des Landes ist, in dem sie leben, also von deutschen Müttern in Griechenland und griechischen Müttern in Deutschland. Sie richten sich daher auch in erster Linie an Eltern, die in einer zweisprachigen Familie die Nichtumgebungssprache vertreten.
Die Berichte zeigen, dass die praktische Umsetzung des Prinzips „eine
Person – eine Sprache“ mit einer Reihe von Schwierigkeiten verbunden ist,
was bei den betroffenen Müttern häufig zu Unzufriedenheit und
Schuldgefühlen führt: Man hätte es besser machen sollen, so resümieren im
nachhinein viele. Die (kritische) Bewertung der Sprachkenntnisse ihres
Kindes als Ergebnis ihrer Spracherziehung stellt dabei nur eine Ursache
dar. Unzufriedenheit ist auch in zahlreichen Situationen und Umständen
begründet, in denen die Mütter – häufig ungewollt – inkonsequent wurden.
Unterstützen Sie den Spracherwerb Ihres Kindes von Geburt an
Gesunde Kinder erwerben Sprache quasi von selbst. Sie brauchen dafür keine
gezielte Förderung. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch ein Umfeld, in
dem Sprache eine wichtige Rolle spielt. Obwohl Kinder 1 – 2 Jahre alt sind,
wenn sie ihre erste Wörter sprechen, so beginnt ihre sprachliche
Entwicklung schon viel früher: Kinder hören ihre Muttersprache(n) bereits
im Mutterleib. Sie verstehen schon viel – lange, bevor sie selbst sprechen
können. Sie kommunizieren von Geburt an nonverbal – durch Laute, Gestik und
Mimik.
Zum kindlichen Spracherwerbsprozess und zu Sprachförderung schauen Sie
bitte ausführlich:
Entscheiden Sie, welche Sprache(n) Sie mit ihrem Kind sprechen können und möchtenWelche Sprache empfinden Sie als Ihre Muttersprache? In welcher fühlen Sie sich am wohlsten? Wie gut sprechen Sie andere Sprachen? In welcher Sprache können Sie eine tiefe Bindung zu Ihrem Kind aufbauen, in welcher ihm die Welt erklären?
Formulieren Sie Ihre Erwartungen an die zweisprachige Entwicklung Ihres KindesIst es Ihr Ziel, dass Ihr Kind beide Sprachen annähernd perfekt spricht, oder möchten Sie ihm lediglich Grundlagen in einer der Sprachen vermitteln? Ihre Erwartungen sollten auf realistischen Überlegungen basieren:
Schätzen Sie die Beeinflussbarkeit von Spracherwerbsprozessen realistisch einDer Spracherwerb des Kindes folgt bestimmten Entwicklungsprozessen, durch
die z.B. die Geschwindigkeit oder die Abfolge von Erwerbsstufen festgelegt
sind. Auch Sprachmischungen im Kindesalter stellen eine normale
Sprachentwicklungsphase des zweisprachig aufwachsenden Kindes dar, die von
äußeren Faktoren weitgehend unabhängig auftreten. Diese Merkmale der
Sprachentwicklung können Sie also kaum beeinflussen.
Die Verweigerung des Gebrauchs der Nichtumgebungssprache durch das Kind steht dagegen in einem wechselseitigen Zusammenhang mit Ihrem Spracherziehungsverhalten: Sprechen Sie mit Ihrem Kind mal Ihre Muttersprache, mal die Umgebungssprache, wird Ihrem Kind die Bedeutung Ihrer Muttersprache nicht klar: „Du sprichst doch deutsch, warum soll ich dann griechisch sprechen?“ Dieses Verhalten kann umgekehrt bei Ihnen Inkonsequenz hervorrufen. Überlegen Sie sich daher, wie Sie mit Verweigerungen Ihres Kindes umgehen möchten und sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber.
Reflektieren Sie Situationen, die zu Inkonsequenz führenHäufig sind es äußere Faktoren, die zu ungewollter Inkonsequenz führen. Es ist wichtig, diese immer wieder zu reflektierten: In welchen Situationen ist es wirklich notwendig, mit dem Kind die Umgebungssprache zu sprechen? Sind Sie selbst der Meinung, es sei unhöflich, Ihre Muttersprache in Gegenwart von Personen zu sprechen, die diese nicht verstehen, oder folgen Sie dem – tatsächlich ausgeübten oder subjektiv empfundenen – Druck Ihres Umfeldes? Sind evtl. in manchen Situationen pragmatische Gründe wie z.B. der Faktor Zeit wichtiger als die Einhaltung von Erziehungsprinzipien?
Überlegen Sie, wie wichtig Ihnen persönlich Konsequenz erscheintDies hängt mit Ihren Erwartungen zusammen: Ist es Ihnen sehr wichtig, dass
Ihr Kind Ihre Muttersprache gut erwirbt, ist es gut, wenn Ihr Kind eine
Notwendigkeit erkennt, diese Sprache zu erwerben. Diese wird u.a. dann
hergestellt, wenn Sie konsequent mit Ihrem Kind diese Sprache sprechen.
Bitten Sie Ihren Ehepartner, Ihre Muttersprache zu lernenGute Sprachkenntnisse Ihres Partners in Ihrer Muttersprache erleichtern den Prozess der zweisprachigen Erziehung. Versteht der Partner, was Sie mit Ihrem Kind sprechen, müssen Sie nicht alles übersetzen. Die Dominanz der Umgebungssprache innerhalb der Familie und damit Schwierigkeiten der Einhaltung der Konsequenz werden verringert. Sie können an sein Interesse und seine Einsicht appellieren, zumindest Grundkenntnisse der Sprache zu erlernen.
Stellen Sie Ihr soziales Netzwerk aktiv und bewusst zusammenDurch Kontakte zu Personen, die die Nichtumgebungssprache sprechen, ergeben
sich vielfältige sprachliche Vorbilder und Anwendungsmöglichkeiten dieser
Sprache für Ihr Kind. Sie haben auch einen positiven Einfluss auf Ihr
eigenes Spracherziehungsverhalten, da in ihrer Gegenwart die Notwendigkeit
des Übersetzens entfällt.
Klären Sie Ihr soziales Netzwerk über Zweisprachigkeit aufPersonen, die bisher keine Erfahrung mit Zweisprachigkeit haben, bekommen durch den Kontakt mit Ihnen und Ihrem Kind welche. Sprechen Sie mit ihnen über die Bedeutung, die Ihre Muttersprache und die Zweisprachigkeit Ihres Kindes für Sie hat. Berichten Sie offen sowohl über schöne als auch über schwierige Seiten der zweisprachigen Erziehung. Sie sind nicht passiv in Ihr soziales Netzwerk eingebettet, sondern können es entsprechend ihrer Bedürfnisse und ihrer Persönlichkeit aktiv gestalten – zumindest in dem Maße, in dem sich dieses als flexibel erweist (ein entsprechender Appell sei hier an die Personen der sozialen Netzwerke Zweisprachiger gerichtet!).
Gehen Sie mit fachlichem Rat kritisch umNicht alle Menschen, bei denen Sie aufgrund der Ausbildung ein Wissen über zweisprachige Entwicklung und Erziehung vermuten, haben dies auch tatsächlich. Gehen Sie selbstbewusst und kritisch mit „fachkompetenten“ Ratschlägen um. Informieren Sie sich z.B. über Ausbildung oder Erfahrung des Ansprechpartners mit Zweisprachigkeit und ziehen Sie zusätzliche Informationsquellen zu Rate. Denken Sie immer daran, dass letztendlich Sie selbst die Expertin für die zweisprachige Entwicklung und Erziehung ihres Kinder unter ihren individuellen Rahmenbedingungen sind. Niemand kennt diese so gut wie sie selbst – lassen Sie sich daher nicht durch pauschale Urteile („Sprechen Sie mit Ihrem Kind doch besser deutsch...“) verunsichern.
Fordern Sie zweisprachige EinrichtungenDie Dominanz der Umgebungssprache in einsprachigen Kindergärten und Schulen kann dazu führen, dass die Ihre Muttersprache für das Kind an Bedeutung verliert. In zweisprachigen Einrichtungen werden dagegen beide Sprachen des Kindes gleichberechtigt gefördert. Zudem ergeben sich hier Kontakte zu anderen zweisprachig erziehenden Eltern und es bieten sich Möglichkeiten fachkompetenter Beratung. Leider gibt es bisher nur wenige zweisprachige Kindergärten und Schulen, und Ihre Möglichkeiten, dies zu beeinflussen, sind begrenzt. Sie können es dennoch versuchen, z.B. durch das Engagement in einer Elterninitiative bzw. durch die Wahl des Wohnortes in Nähe einer entsprechenden Einrichtung.
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